Workshop

Foto: Gerco De Vroeg

Workshop für BA-Studierende: Becoming a Dancer mit Bertha Bermudez & Vincent Colomes

Expectations, Doubts, Answers and Wishes

Mittwoch 28.2. – Sonntag, 4.3. (außer Freitag 2.3.) I 13:30 – 17:30 Uhr I Uferstudios, Studio 6

Von Tänzer*innen wird heute unter anderem erwartet, dass sie viele verschiedene Tanzstile kennen, singen und auf der Bühne sprechen können, Kampfkunst und Akrobatik beherrschen und nicht nur im Theater, sondern auch in theaterfernen Umgebungen einsatzfähig sind. Diese Ansprüche sind extrem vielfältig und können Tänzer*innen zu äußerst vielseitigen Künstler*innen machen. Allerdings können sie auch Frust und Verwirrung stiften und dafür sorgen, dass die Tanzpraxis nie über ein oberflächliches Wissen hinausgeht. Tatsächlich haben vor allem junge Tänzer*innen heute oft den Eindruck, von allem ein bisschen, aber nichts wirklich zu wissen. In solchen Situationen muss sich jede*r Einzelne von uns fragen: In welcher Art von Gemeinschaft, Gesellschaft und Welt möchte ich arbeiten und leben? Welche Rolle spielt die Kunst dabei? Kann Tanz ein Motor positiven gesellschaftlichen Wandels werden, und wenn ja, wie?
In diesem Workshop thematisieren wir diese Fragen in physischen und reflexiven Formaten und suchen gemeinsam nach Antworten.

Was bedeutet es, Tänzer*in zu werden?
Wo willst du tanzen?
Was inspiriert dein Tanzen?
Warum willst du tanzen?
Wie lernst du und was lernst du, um Tänzer*in zu werden?

Ausgehend von ihren eigenen tänzerischen Erfahrungen in verschiedenen Kontexten – darunter das Atelier Rudra Béjart Lausanne, das Ballett Frankfurt (William Forsythe), die Compañía Nacional de Danza (Nacho Duato), die Emio Greco | PC Dance Company, das Scapino Ballet Rotterdam, das Ballett Gulbenkian, die Kompanie von Ramon Oller, kleinere freiberufliche Projekte sowie Lehr- und Forschungstätigkeiten – laden Bertha Bermúdez und Vincent Colomes die Teilnehmenden dazu ein, über diese Fragen nachzudenken. Zudem stellen sie verschiedene choreographische Praktiken, Arbeitsfelder vor, thematisiern die Handlungsmöglichkeiten von Tänzer*innen und schneiden Fragen an, die sich jede*r stellen sollte, die/der Tänzer*in werden will.

Vincent Colomes wurde in Paris geboren. 1995 schloss er sein Ballettstudium am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse Paris ab und tanzte bis 2013 in verschiedenen Kompanien, darunter das Ballet Victor Ullate, das Ballet National de Marseille Roland Petit, Introdans, das Ballet Gulbenkian, Metros Ramon Oller und die Tanzplattform EGPC/ICK Amsterdam von Emio Greco und Pieter C. Scholten. Seit 2013 studiert und praktiziert er Flamenco. Er unterrichtet Improvisation, Double Skin Double Mind (DSDM) sowie klassisches Ballett und arbeitet in verschiedenen künstlerischen Kooperationen und Gemeinschaftsprojekten.

Bertha Bermúdez war als Tänzerin in einigen der wichtigsten europäischen Tanzkompanien und für bedeutende Choreographen tätig, darunter das Ballett Frankfurt, die Compañia Nacional de Danza in Spanien, die Emio Greco | PC Dance Company, Rui Horta und Paul Selwyn Norton. Seit 2005 konzentriert sich Bertha Bermúdez verstärkt auf die wissenschaftliche Erforschung von Tanzdokumentation und -notation. In diesem Rahmen war sie Co-Direktorin und Koordinatorin der interdisziplinären Forschungsprojekte „(Capturing Intention)“, „Inside Movement Knowledge“ und „Pre-choreographic elements“. Im Jahr 2014 begann sie ihre Promotion an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Amsterdam. Ihre künstlerische Laufbahn verfolgt Bermúdez seit 2009 in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen, mit denen sie Dokumentar- und Tanzfilme, interaktive Installationen und andere Publikationen erarbeitet.

Foto: Kristie Simson

Workshop für BA-Studierende: What moves us and why? mit Kristie Simson

How does Dance Improvisation Practice affect our lives and choices?

Mittwoch 28.2. – Sonntag, 4.3. (außer Freitag 2.3.) I 13:30-17:30 Uhr I Uferstudios Studio 9

Eine Improvisationspraxis, die Verletzbarkeit zum eigenen Kern macht, ist von einem gewissen Geist und einer großen Stringenz durchzogen. Wenn wir lernen, für die Verletzlichkeit in uns selbst Sorge zu tragen, für sie einzutreten, sie zu respektieren und auf sie zu antworten, entstehen kraftvolle Improvisationen mit transformativem Potenzial. Diese Grundsätze prägen Kirstie Simsons künstlerisches und alltägliches Leben, seit sie vor über drei Jahrzehnten begann, sich mit Tanzimprovisation auseinanderzusetzen. Ihre Arbeit vermittelt sie durch einfache Übungen, freie Zeit für Spiel und Erprobung, Bewegungspartituren und reflexiven Austausch. Vieles wird über Partnerarbeit und in Verbindung mit anderen erfahren; es bleibt aber auch individuelle Zeit für Praxis und Reflexion. In diesem Workshop gibt Kristie Simson Einblick in zweiunddreißig Jahre ihres Lebens und ihrer Liebe für die Tanzimprovisation.

Kirstie Simson lehrt an der University of Illinois und setzt parallel ihre Lehr- und Auftrittstätigkeit in der ganzen Welt fort. Seit Jahren bereichert und begeistert sie die zeitgenössische Tanzszene mit ihren virtuosen Improvisationen, die dem Publikum in jeder einzelnen Sekunde die volle Lebendigkeit des schöpferischen Akts nahebringen. Heute wird sie als herausragende Lehrerin, mitreißende Performerin und führende Größe auf dem Feld der Tanzimprovisation geschätzt.

Diana Shepherd stammt aus Illinois in den USA und ist Bewegungskünstlerin. Ihr Grundstudium absolvierte sie an der University of Illinois at Urbana Champaign. Dort arbeitete Diana Shepherd mit Choreograph*innen wie Kristie Simson und Tere O’Conner zusammen und zeigte ihre Abschlussarbeit mit dem Titel „Selfs“. Zweimal nahm Diana Shepherd aktiv und als Assistentin am Residenzproramm „Art Oasis“ der International University Global Theater Experience in Italien und Österreich teil. Seit acht Jahren unterrichtet Diana Shepherd Tanz und hat kürzlich ihre eigene Kindertanzschule im Studio K77 in Berlin eröffnet. Um sich dem Berliner Publikum vorzustellen, zeigte Diana Shepherd ihre Solochoreographie „Bodies (2nd Part)“ im Showcase 10 Times 6 am Studio ada. Zur Zeit lebt und arbeitet sie in Berlin und entwickelt dort ihre choreographische Auseinandersetzung mit internationalen Körpern und deren Interaktion mit der sie umgebenden und einschränkenden Gesellschaft weiter. Bei der Biennale 2018 ist sie Kirstie Simons „assistierende Teilnehmerin“.

Foto: Yanai Yechiel

Workshop für BA-Studierende: "State Choreographer" mit Dana Yahalomi (Public Movement)

Mittwoch 28.2. – Sonntag, 4.3. (außer Freitag 2.3.) I 13:30-17:30 Uhr I Uferstudios, Studio 8

Politik manifestiert sich in unseren Körpern. Wenn wir einer Demonstration beiwohnen, sehen wir eine Verkörperung bürgerlichen Engagements; wenn wir eine Festnahme beobachten, verfolgen wir die Choreographie des Souveräns. Die in Tel Aviv ansässige Forschungs- und Aktionsgruppe Public Movement erprobt und realisiert öffentliche Choreographien, Formen sozialer Ordnung sowie sichtbare oder unsichtbare Rituale. Im Laufe des Workshops erforschen, trainieren und zeigen wir Bewegungsformen der staatlichen Gewalt, die sich im kinetischen Vokabular des Militärs, der Polizei und der Rettungsdienste manifestieren. Außerdem begegnen uns Elemente des Tanzes in bürgerlichen Protestkontexten, als ziviler Ungehorsam oder als Ausdruck von Freude und Fest. Der viertägige Workshop vereint die theoretische Praxis mit ihren physischen Implikationen außerhalb des Studios. Letztere erforschen wir im Rahmen eines Trainingstags mit der Polizei und einer Reihe kollektiver Experimente im öffentlichen Raum. Wir schauen uns Beispiele an und diskutieren Grundbegriffe wie öffentlicher Raum, politische Performanz, Pre-Enactment und choreographisches Gedächtnis.

Public Movement macht als kollektiver Körper für performative Forschung politische Handlungen im öffentlichen Raum sicht- und erfahrbar. Die Gruppe war bisher in Europa, in den USA, in Israel sowie in Asien und Australien aktiv. Zuletzt traten Public Movement unter anderem im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Århus, bei der Göteborg Biennale, im Guggenheim Museum New York, im Tel Aviv Museum of Art, beim Impulse Festival Düsseldorf, am ACCA Melbourne, bei der Asian Art Biennal Taipeh, bei der Berlin Biennale, auf der Performa in New York, beim Festival Steirischer Herbst in Graz und am Theater Hebbel am Ufer Berlin auf. Public Movement wurde 2006 von Omer Krieger und Dana Yahalomi gegründet. Seit 2011 ist Dana Yahalomi alleinige Leiterin.

Foto: Karl Francis

Workshop für BA-Studierende: "Dance is not enough" mit Christoph Winkler & Robert Ssempijja

Mittwoch 28.2. – Sonntag, 4.3. (außer Freitag 2.3.) I 13:30-17:30 Uhr I Uferstudios, Studio 11

In diesem Workshop werden wir die Möglichkeiten einer politischen Haltung in zeitgenössischer Choreographie untersuchen. Ausgehend von Christoph Winklers Produktion „Dance is not enough“ von 2013 beschäftigen wir uns zunächst mit Beispielen von Tanz als Protest wie dem Radical Cheerleading, das bei verschiedenen Demonstrationen eingesetzt wird. Es übernimmt Formen konventioneller Sportanimation und kombiniert sie mit politischen Statements und Aussagen. Die Student*innen lernen ausgewählte Passagen der Choreographie und kombinieren sie mit eigenen Inhalten. Darüber hinaus fragen wir, inwieweit das Verhältnis zwischen Tänzer*in und Choreograph*in bereits ein politisches ist und welche Auswirkungen dies auf die Kreation tänzerischen Materials hat.

Im zweiten Teil des Workshops blicken wir von der westlichen Definition von zeitgenössischem Tanz bzw. zeitgenössischer Kunst auf die Peripherie: Der ugandische Tänzerchoreograph Robert Ssempijja gibt einen praktischen Einblick in die zeitgenössischen Strömungen des ostafrikanischen Tanzes. In einem kollaborativen Prozess werden C. Winkler und R. Ssempijja gemeinsam mit den Student*innen Material entwickeln, in das Erfahrungen, Tanzstile und biographische Hintergründe der Teilnehmer*innen einfließen.

Bring Deine Spitzentanz-/Stepptanz-/Hip-Hop-/etc. Ausrüstung (Klamotten) mit!

Ausschnitt aus „Dance is not enough“

Christoph Winklers arbeitet seit 1998 freischaffend in Berlin. Seine choreographischen Arbeiten umfassen ein weites Spektrum an Formaten und reichen von persönlichen bis zu politischen Themen. Geboren wurde er in Torgau in der ehemaligen DDR. Er trainierte Gewichtheben und Judo, Kampfsport und Breakdance, bevor er Tanz an der Staatlichen Ballettschule Berlin und Choreographie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ studierte.

Robert Ssempijja
Der senegalesische Tänzer und Tanzforscher Robert Ssempijja ist in verschiedenen Bereichen des zeitgenössischen Tanzes tätig und konnte im Laufe seiner Karriere Erfahrungen in klassischen und unkonventionellen Kontexten sammeln. Er hat auf insgesamt drei Kontinenten mit mehr als 50 verschiedenen Tanzkompanien und Choreographen zusammengearbeitet. In seiner Arbeit kombiniert er den traditionellen Tanz seines Heimatlandes mit Breakdance-Elementen und Techniken aus dem zeitgenössischen Tanz. Außerdem beherrscht er Tanztechniken aus Burkina Faso und hat kürzlich seine Tanzausbildung an der École des Sables im Senegal abgeschlossen. Die Initiative Dance Revolution East Africa wurde von ihm ins Leben gerufen.

Foto: Peg Skorpinski

Peer-Learning Workshop für BA-Studierede mit Chrysa Parkinson (Mentorin)

Mittwoch 28.2. – Sonntag, 4.3. (außer Freitag 2.3.) I 13:30-17:30 Uhr I Uferstudios, Studio 3

Info folgt.

Chrysa Parkinson ist Professorin für Tanz und Leiterin des Master of Fine Arts „New Performative Practices“ bei DOCH/Uniarts in Stockholm. Seit 1985 arbeitet sie als Tänzerin und Tanzdozentin auf der ganzen Welt. In ihrer künstlerischen Forschung konzentriert sie sich auf die praktische Autorschaft des Performers bzw. der Performerin. Ihre Filme, Bücher und Interviews wurden international verlegt und verkauft.

Paul Leclaire

Workshop für MA-Studierende: "Narrative Biodaten" mit Martin Sonderkamp

Über das künstlerische Potenzial von Lebensläufen

Dienstag, 27.2. – Sonntag, 4.3. (außer Freitag, 2.3.) I 13:30-17:30 Uhr I Uferstudios, Studio 10

Es gibt vier Wege, und nur vier Wege, auf denen wir Kontakt mit der Welt haben. Wir werden von diesen vier Kontakten bewertet und klassifiziert: was wir tun, wie wir aussehen, was wir sagen und wie wir es sagen.
Dale Carnegie, US-amerikanischer Autor; Kommunikations- und Motivationstrainer

Aber ist das alles? Wie gehen wir mit den Lücken, Umwegen, Brüchen um, die auf den ersten Blick nicht in unsere Selbstdarstellung zu passen scheinen, aber dennoch Einfluss darauf haben, wie wir handeln und mit der Welt kommunizieren? Mit Blick auf die Geschichte des Lebenslaufs ist dieses Seminar ein offenes, kollaboratives Format, das die Teilnehmer*innen einlädt, sich ihrer eigenen Vita und denen anderer als künstlerisches Material zu nähern. Der Workshop untersucht insbesondere die Lücken, Umwege und Brüche, welche auf den ersten Blick nicht in eine geradlinige Selbstdarstellung zu passen scheinen. Basierend auf experimentellen Erkundungen von Schrift, Sprache, audio- und visuellen Medien entwerfen die Teilnehmenden nach und nach choreographische Partituren, Tänze oder performative Vorträge, mit denen sie reale, fiktionale, zukünftige, individuelle, kollektive und hybride Lebensläufe entwerfen, weiterentwickeln und neu erzählen.

Martin Sonderkamp ist ein Künstler, der in Berlin und Stockholm lebt. Seine künstlerische Arbeit erstreckt sich in Form von partizipativer Choreographie, Mixed-Media-Installationen und Partituren für improvisierte Performances über disziplinäre und ästhetische Grenzen zwischen Tanz, Bildender Kunst und Musik hinaus. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen Sonic Extensions (2017) Approximations (2015), Task 14 (2014), Rewired (2013) und Social Movement (2012). Derzeit arbeitet er als Professor an der Stockholm University of the Arts /Doch – School for Dance and Circus. Von 2011-2015 war er als Professor am ZZT/HfMT Köln tätig.