Grussworte

Anja Karliczek
© Bundesregierung, Laurence Chaperon

Eine Woche lang wird Hamburg die City of Dances sein. Studierende aller Tanzhochschulen in Deutschland und aus der ganzen Welt treffen sich zur 7. Biennale Tanzausbildung. Gleichzeitig findet mit „Fokus Tanz“ ein weiteres wichtiges Tanztreffen statt. Beide Ereignisse beziehen sich aufeinander und profitieren voneinander. Ein Glücksfall.
Mit der Biennale Tanzausbildung fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung junge Talente und Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstler. Ziel ist es, ein Forum zu bieten für Aufführungen unter professionellen Bedingungen. Gleichzeitig entsteht ein Raum für Diskussionen, um sich mit unterschiedlichen Ausbildungskulturen auseinanderzusetzen. Es geht um die Qualität der Ausbildung für einen Beruf, der permanenten Veränderungen unterliegt. Im Tanz mischt sich Rationales und Emotionales, ohne dass es für den künstlerischen Erfolg auch nur annähernd eine Gewähr geben kann.
Es geht bei der 7. Biennale Tanzausbildung aber auch um die künstlerische Auseinandersetzung mit Grenzen und Übergängen, mit Innen- und Außenwelten der Kunst- und Tanzwelt. Und es geht um unterschiedliche ästhetische Ansätze. Ziel ist es, das Bewusstsein für Strukturen zu schärfen und die Zusammenhänge zwischen Tanztechniken und Arbeitsweisen in den Blick zu nehmen.
Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Bundeswettbewerbs 7. Biennale Tanzausbildung und von „Fokus Tanz“ viele neue Einblicke, interessante Diskussionen und frische Impulse für Ihre Ausbildung.

Anja Karliczek
Mitglied des Deutschen Bundestages
Bundesministerin für Bildung und Forschung


Dr. Carsten Brosda © Bertold Fabricius

Tanz spricht – mit uns und von uns. Tanz wird vom Schädel bis zum großen Zeh vom Menschen gemacht. Und weil er gleichwohl vom Menschen erzählt, spiegelt er nicht zuletzt auch die Vielfalt unserer Welt-Gesellschaften. Sie entpuppt sich in den unterschiedlichen Tanzstilen und der persönlichen Note jedes Tänzers und jeder Tänzerin – also Ihnen. Sie alle kennen und sprechen die Sprache des Tanzes bereits sehr gut, bezeichnen sie vielleicht sogar als Ihre eigentliche Muttersprache, denn Sie wissen: Tanz verbindet, daran besteht kein Zweifel.

Auch die 7. Biennale Tanzausbildung ist Ausdruck von Verbindung. Hier kommt der tänzerische Nachwuchs zusammen, um den unterschiedlichen Tanzsprachen sowie den Dimensionen der Kunstform Tanz nachzuspüren. Rund 180 Tanzbegeisterte vom Ballett über Hip-Hop bis zum kolumbianischen Tanz sind mit dabei. Und auch die institutionelle Ebene ist Ausdruck der Bandbreite des Tanzes: Für die Ausrichtung der Biennale kommen neun internationale Tanzschulen in die Hansestadt. Obendrein haben sich die wichtigsten Hamburger Akteure des klassischen und zeitgenössischen Tanzes zusammengetan: Die Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier kooperiert mit Kampnagel. Dass die Biennale mit dem Festival „FOKUS TANZ“ verschränkt und damit auch für das städtische Publikum zugänglich wird, schafft ein facettenreiches Großereignis.

Die frische Zusammenarbeit in Vielfalt, die mit der 7. Biennale Tanzausbildung in Hamburg Einzug hält, tut uns allen gut – sie hält den Tanz lebendig und uns als Gesellschaft auf Trapp. Sie ermuntert uns, zu erkunden, was wir alle in unserer Verschiedenheit gemein haben und wohin wir gehen wollen. Und das ist immer eine Entdeckungsreise wert!

Ich wünsche Ihnen allen eine inspirierende Woche voller verschiedener Tänze und gemeinsamer Momente in der City of Dances!

Dr. Carsten Brosda

Senator für Kultur und Medien


John Neumeier © Kiran West

Willkommen in der „City of Dances“ Hamburg! Eine Woche lang öffnen wir die Türen des Ballettzentrums Hamburg für neun deutsche und neun internationale Schulen. Den Kern der diesjährigen Biennale Tanzausbildung bilden hier vier Ateliers, die die künstlerische Vielseitigkeit unserer Ensembles deutlich machen.

Meine Fassung von „Orphée et Eurydice“ vermittelt einen Teil des Hamburg Ballett-Repertoires, der dem Tanz eine prominente Rolle innerhalb einer Opernproduktion einräumt. Bei „Biennale meets BJB“ lernen die Schüler unsere sozial engagierte Jungcompagnie kennen, die mit einem klassisch ausgebildeten Ensemble unkonventionell neue Bühnen für den Tanz erschließt. Die beiden Ateliers zu „Yondering“ und „Beethoven Dances“ greifen zwei meiner Werke auf, die ich speziell für Ballettschüler entwickelt habe. Darüber hinaus habe ich alle Teilnehmer eingeladen, meine umfangreiche Ballettsammlung zu besuchen und in täglichen Führungen zu entdecken, wie die heutige Welt des Tanzes entstanden ist.

Neben vielfältigen Workshops können die Teilnehmer auch durch die Kooperation mit dem Festival „Fokus Tanz“ auf Kampnagel eine große Bandbreite unterschiedlicher Formen von Tanz erleben. Diese Art des künstlerischen Austauschs habe ich mir schon immer für Hamburg gewünscht: Als Schauspielhaus-Intendant Peter Zadek 1985 plante, Pina Bausch und ihre Compagnie an sein Haus zu binden, habe ich ihm sofort gratuliert und gesagt, Hamburg könne so zur Ballettmetropole Europas werden. Für die diesjährige Biennale wünsche ich allen Teilnehmern, dass die Vielfalt der Angebote ihnen bewusstmacht, worin ihre eigenen Stärken liegen und wohin ihr eigener Weg führen kann. In unserer „City of Dances“ erleben sie, wie groß das Universum des Tanzes tatsächlich ist.

John Neumeier

Künstlerischer Leiter und Chefchoreograf des Hamburg Balletts
Schulleiter der Ballettschule des Hamburg Balletts John Neumeier
Generaldirektor und künstlerischer Leiter des Bundesjugendballetts


Amelie Deuflhard © Julia Steinigeweg
Dr. Kerstin Evert © Thies Rätzke

Abijan, Berlin, Bogotá, Delhi, Dresden, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Kapstadt, Köln, Lissabon, Mannheim, München, Rotterdam, Teheran, Toronto, Tunis: Die 7. Biennale Tanzausbildung 2020 in Hamburg nimmt Grenzüberschreitungen im wahrsten Sinn des Wortes in den Blick, indem sie Tanzstudierende aus aller Welt in dieser Form erstmalig für eine Woche zum intensiven Austausch zusammenbringt – denn die Arbeitspraxis des Tanzes ist per se international!

Vom bewegten Körper ausgehend, lädt die Biennale in Ateliers, Trainings und Do-Shops zu Suchbewegungen ein, um das Innere nach außen zu bringen, sich mit Ein- und Ausschlussmechanismen, mit Strukturen und Arbeitsweisen und Politiken des Körpers zu beschäftigen. Damit geht es vor allem um das große Potenzial der Kunstform Tanz, sich wegweisend mit und über gesellschaftspolitische Entwicklungen auseinanderzusetzen.

Dies macht eine weitere Bewegung deutlich, die die Studierenden mit Studienabschluss vor sich sehen: den Schritt in die professionelle Praxis aus dem Schutzraum Ausbildung in eine nicht selten unsichere ökonomische Zukunft, die besonders im Tanz hohe Flexibilität erfordert, um sich selbst als Künstler*in immer wieder neu zu erfinden.

Die diesjährige Ausgabe der Biennale in Hamburg wird zum ersten Mal von einer Kooperation aus Kulturinstitutionen der Tanzausbildung und der Tanzproduktion und -präsentation ausgerichtet, ein Zusammenschluss, der für diesen Schritt in die Berufswelt steht, und die zugleich die ästhetische Bandbreite der Kunstform vom Ballett zum zeitgenössischen Tanz zeigt. Das in die Biennale eingebundene Festival FOCUS TANZ präsentiert Produktionen international renommierte Choreograf*innen gleichwertig mit den KURZEN STÜCKEN der Tanzstudierenden und führt so Tanzstudierende, Künstler*innen und Publikum allabendlich im Foyer Kampnagels zusammen.

Hamburg als CITY OF DANCES setzt damit kulturpolitisch ein wegweisendes Zeichen für die stetige künstlerische und strukturelle Innovationskraft der Kunstform Tanz. Wir freuen uns auf darauf, dass Kampnagel sieben Tage lang in unvorhersehbare Schwingungen versetzt wird!

Amelie Deuflhard und Dr. Kerstin Evert